Vor gar nicht langer Zeit hat Chefredakteur Georg Mair in einer Diskussionssendung, wo es unter anderem um das Thema Corona ging, betont, dass er sich der wissenschaftlichen Evidenz verpflichtet sieht.
Gut so, das ist genauso richtig wie wichtig. Sehr schade, dass er dieser aufgeklärten Einstellung bei Landwirtschaftsthemen so gar nicht Folge leistet. Aber wahrscheinlich ist es wichtiger, die arkadische Wunschwelt einer weitestgehend urbanen, der realen Landwirtschaft entfremdeten Leserschaft zu bedienen. In seinem Leitartikel muss er zum Beispiel durch das unnötige „sogenannte“ die Mittel zum Schutz der Pflanzen a priori diskreditieren, und auch das weitestgehend faktenbefreite Glyphosat-Bashing ist ihm – wie lange denn noch? – nicht zu blöd.
Anders als von Herrn Mair behauptet, ist die Südtiroler Landwirtschaft mehr im positiven Wandel begriffen, als es seine anscheinend festgefahrene Wahrnehmung zulässt, und zwar auch in der schweigenden Breite und nicht nur in der Realität einiger weniger medial gehätschelter Nischenbetriebe, wo zudem oft der marketingtechnische Aspekt dieser „Umkehr“ mehr im Vordergrund steht, als es die unkritischen Unterstützer vermuten.
Ob dieser schwer erträgliche Erziehungsjournalismus auf Dauer mit den selbstgestellten hehren Ansprüchen der Herausgeber vereinbar ist, müssen andere entscheiden.
Armin Kobler, Margreid