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Benebelt
ff media | 8. Feb 2023 | ff 06/2023

Der Glimmstängel: Mir wird dieser ganze Gesundheits-Hype jetzt zu mainstream. Ich fange wieder mit dem Rauchen an. Bald ist auch kalendarisch Frühling, meteorologisch hat die warme Jahreszeit ja dank Klimaerwärmung schon Einzug gehalten, und das Leben spielt sich wieder draußen ab, da gibt es doch nichts Schöneres, als in geselliger Runde einen Spritz zu trinken und gemütlich eine zu paffen.

Heute, wo Smalltalk immer schleppender zustandekommt – wenn überhaupt vom Smartphone aufgeblickt wird –, stelle ich es mir direkt paradiesisch vor, ins Freie flüchten zu können, um gemeinsam im kleinen Kreis der Sucht- und Leidensgenossen einem Laster zu frönen, das dermaßen unzeitgemäß ist, dass es schon fast wie echte Rebellion anmutet. Und nein, ich stelle mich nicht zu den vapenden Hipstergrüppchen mit ihren ironischen 80er-Jahre-Hemden aus Biobaumwolle, die aus dem auf Brustwarzenhöhe positionierten Hosenbund quellen. Ich tschigge mit meinesgleichen.

Es gibt sie nämlich noch, die Relikte aus Zeiten, in denen Filme noch nicht mit Rauchfrei-Siegel ausgezeichnet wurden, sondern dem stinkenden Laster auch noch huldigten. Wie aus einem alten französischen Schwarzweiß-Schinken (oder einem neuen „Tatort“) gefallene Antihelden stehen sie verloren an Bordsteinkanten oder am Rande öffentlicher Plätze, den Glimmstängel verlegen-trotzig in der einen Hand, die andere tief in der Hosentasche vergraben. Die letzten Cowboys und -girls einer Bastion, deren Tage nicht nur vom drohenden Krebstod angezählt sind, sondern auch von einer neuen, cleanen Generation, für die Rauchen ein dermaßen überholtes Konzept ist, dass man es nicht mehr mit James Dean oder Clint Eastwood verbindet, sondern mit mangelnder Selbstkontrolle, gelben Fingernägeln, Krankheit, Siechtum und Tod.

Okay, vielleicht lasse ich es doch bleiben.