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Auf den Tartscher Bühel
Die alte Straßensiedlung Tartsch im Obervinsch-gau hat einiges zu bieten: eine ansehnliche Dorfkirche, schöne, alte Häuser, darunter den Michlwirt, ein historisches Fuhrmannsgasthaus, und nicht zuletzt den sagenumwobenen Tartscher Bühel mit der romanischen Hügelkirche.
ff media | 8. Feb 2023 | ff 06/2023
Im Inneren der Kirche zum Heiligen Vitus finden sich mehrere Schichten von Fresken.

Foto: IDM Südtirol/Frieder Blickle

Der Hügel südlich von Mals zieht schon von Weitem die Blicke auf sich. Nach der Ortschaft zu seinen Füßen ist er als Tartscher Bühel oder „Tartscher Bichl“ bekannt. Die karge, felsige, von struppigem Gras, einzelnen Büschen und Bäumen bewachsene, mythen- und sagenumwobene markante Kuppe erhielt ihre Form durch die Kraft der Gletscher, welche das Gestein abhobelten. Archäologische Grabungen wiesen Brandopferstätten und Wohnhöhlen aus vorchristlicher Zeit und Reste einer vorrömischen Wallburg nach. Neben römischen Münzen, Schalensteinen und Eisenbeilen wurden ein 2.500 Jahre altes Hirschhorn mit rätischer Inschrift sowie Reste eines Hauses aus dem 4. oder 3. Jahrhundert vor Christus gefunden.

Der aussichtsreiche Tartscher Bühel kann auf einem einfachen, aber äußerst lohnenden Spazierweg, dem „Bichlsteig“, in 45 Minuten umrundet werden. In wenigen Gehminuten erreichen wir von der Vinschgauer Staatsstraße aus die mystische Anhöhe, lassen den Autoverkehr hinter uns und tauchen in eine andere, stille Welt ein. Die Aussicht auf den oberen Vinschgau, das Städtchen Glurns und die schneebedeckte Ortlergruppe ist grandios. Start ist an der Nordseite von Tartsch beim „Michlwirt“ neben der Dorfkirche, an der Staatsstraße (Markierung „Bichlsteig“).

St. Veit am Bichl

Auf der Anhöhe steht an der Stelle eines vermuteten heidnischen Opferplatzes die romanische Kirche zum Heiligen Vitus aus dem 11. Jahrhundert. Im Inneren finden sich viele Fresken: etwa Christus als Richter, Evangelistensymbole, im Schiff die Vituslegende mit erklärenden Schriften. Zu erkennen ist, wie Vitus im Kessel mit siedendem Öl gemartert wird. Im Volksglauben wird der Kessel mit einem Nachttopf in Verbindung gebracht, und flugs wurde Vitus (Veit) zum Patron der Bettnässer, der bei Harndrang angerufen wurde: „Heiliger Sankt Veit, weck mich zur rechten Zeit!“

Die ungekürzte Version und viele weitere Wandertipps finden Sie im Buch.

Infos in Kürze

Von Tartsch auf den Tartscher Bühel und zur Kirche zum hl. Vitus

Gehzeit: 45 Minuten,
40 Höhenmeter, kaum
Auf- und Abstiege, 2,7 km

Start: Michlwirt, Tartsch, 1.028 m

Tipp: Wem diese Wanderung zu kurz ist, der kann von Tartsch über den „unteren“ Waalweg nach Mals und auf dem „oberen“, der auf der Trasse des Sonnensteiges verläuft, zurückwandern. Gehzeit für die 7 km lange Runde: 2½ Stunden

Anfahrt: Tartsch liegt an der Vinschgauer Staatstraße, Parkplatz beim Michlwirt oder beim Friedhof. Bushaltestelle nahe am Startpunkt

Einkehrtipp

Gasthaus Michlwirt: Altes, sorgsam restauriertes Fuhrmannswirtshaus, typische Gerichte aus dem

Vinschgau und aus der mediterranen Fischküche. Tartsch 35, Mals, Tel. 328 3638861

www.michlwirt.it

Das Buch zum Tipp

Oswald Stimpfl

Pilgerwege in Südtirol

Wanderungen zu Wallfahrtsorten und Höhenkirchen

Folio Verlag (Wien/Bozen)

ISBN 978-3-85256-782-2

Erhältlich im Buchhandel.