Zum Hauptinhalt
Leitartikel
Der Feind im eigenen Haus
Errichtet, wenn nötig, Altlandeshauptmann Durnwalder ein Denkmal, aber nehmt ihm seine Droge: die Macht.

Foto: FF Media

Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle einen Wunsch geäußert: Die SVP möge sich endlich von Altlandeshauptmann Luis Durnwalder emanzipieren. Wie sie das bewerkstelligt, das ist Sache der Partei, gewiss. Aber sie muss einen Schnitt machen. Ich habe das in der Überzeugung geschrieben, dass Durnwalder süchtig nach Macht ist. Und diese Sucht beschädigt die Partei, vor allem aber schadet sie Südtirol.

Ich hatte gehofft, das nicht noch einmal schreiben zu müssen. Aber die SVP ist ein mutloser Haufen, und Durnwalder ist unfähig, den Weg für andere freizumachen, wie das etwa Angela Merkel nach 16 Jahren Kanzlerschaft getan hat. Der alte Mann kann es nicht lassen. Das hat er in diesen Tagen wieder bewiesen. Er ritt im Tagblatt der Südtiroler eine schwere Attacke gegen den ehemaligen SVP-Senator und stellvertretenden Parteiobmann Karl Zeller. Dieser habe es gewagt, so behauptet Durnwalder in den Dolomiten, die Sad-Abhörprotokolle und die Tonaufnahmen in Umlauf zu bringen. Durnwalder hat eine Eingabe an Italiens oberste Datenschutzbehörde gemacht – „wegen der unrechtmäßigen Veröffentlichung“ besagter Abhörprotokolle.

Der 80-Jährige hat das Athesia-Blatt genutzt, um Zeller mit scharfen Worten anzugreifen. Alle Vorwürfe, dass er selbst für ein Unternehmen versucht habe, die Bildung der Landesregierung zu beeinflussen, weist er von sich. Er habe nur seine Meinung geäußert, sagt Durnwalder, und das müsse doch noch möglich sein.

Dem Mann, der 25 Jahre lang Südtirol regiert hat, ist Selbstreflexion fremd.

Ich hatte tatsächlich gehofft, dass die SVP die Affäre rund um die Sad-Abhörprotokolle professionell und fair aufarbeiten würde. Eine mutige Partei, das wäre was gewesen. Aber nichts davon. Die brisanten Sad-Abhörprotokolle, die dieses Magazin öffentlich gemacht hat (ff 50/21 und 51-52/21), das politische Machtgebaren der Athesia, das vermurkste Krisenmanagement der Parteispitze: Hier handelt es sich nicht mehr um eine kleine Störungszone, sondern um ein Sturmtief, um eine handfeste Krise in der SVP.

Manche Parteifunktionäre und auch -mandatare versuchen das noch immer schönzureden. Aber die jüngsten Fehlschläge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Regierungspartei gewaltig rumpelt – zwischen den Bezirken und Richtungen, zwischen den Bauern und dem ganzen Rest. Auf offener Bühne zelebriert die SVP ihre Verwirrung und Führungslosigkeit. Es vollzieht sich ihre Implosion. Da ist nichts mehr übrig von der ehemals selbst- wie pflichtbewussten Partei, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellt.

Missgunst, Rache, Intrigen, Streit – das bekommen wir in diesen Tagen geboten. Die Südtirolerinnen und Südtiroler werden Zeugen einer tragischen Selbstdemontage. Tragisch deshalb, weil es sich bei Durnwalder um einen verdienstvollen Politiker handelt, der dieses Land kraftvoll vorangebracht hat. Aber Durnwalder ist Vergangenheit. Er muss es werden. Gerne soll er ein Denkmal bekommen, aber die SVP muss seine Zerstörungslust eingrenzen. Wo so viel Missgunst und Intrige öffentlich zur Schau getragen werden, lassen sich Wähler nur schwer mobilisieren.

Wenn der Altlandeshauptmann weiter so wüten kann, wird sich die SVP in einen Trümmerhaufen verwandeln. Und in den rauchenden Ruinen werden wir Durnwalder sehen, der noch immer Machtkämpfe ausficht, wo es längst schon keine Macht mehr gibt.

Und vielleicht lächelt er dabei.