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Seilbahnen: Aaahs und Ooohs
29. Jan 2025 | ff 05/2025

Neulich habe ich von Erika Eiffel gelesen. Die Amerikanerin hat sich 2004 in den Eiffelturm verliebt, ihn 2007 geehelicht und trägt seither seinen Namen. Will ich auch, war mein Gedanke, und sogleich habe ich mich nach ähnlich prestigeträchtigen Objekten in Südtirol umgeschaut. Dabei bin ich selbstredend bei den Seilbahnen gelandet, den Eiffeltürmen Südtirols. Nicht bei den popeligen 08/15-Aufstiegsanlagen, die unspektakulär Hinz und Kunz den Berg raufwuchten und sich dafür mit dem schnöden Südtirol-Abo abspeisen lassen. Nein, mein Blick fiel auf größere Kaliber, auf die Alpha-Bahnen.

So bin ich nun hin- und hergerissen: Auf der einen Seite der Macho-Protz von Tiers (zu groß gebaut, ohne Genehmigung in Betrieb genommen) mit seinem Cabrio, der auf seiner Website verspricht, einem „faszinierte ‚Aaah’s und ‚Oooh’s“ (sic) zu entlocken, auf der anderen Seite die zurückhaltendere, weniger auf dicke Hose machende Schnalstaler Gletscherbahn, die es aber immerhin geschafft hat, eine Übergangsbestimmung eigens für sie herauszuschlagen und so zu einer großzügigeren Finanzierung (plus 10 Prozent) als vergleichbare Bahnen kommt: Auch nicht von schlechten Ebnern, äh Eltern!

Während ich noch am Überlegen bin, was sich nun besser macht, eine Frau Gletscher- oder doch Tierserbahn, da erwachen schon die Zweifel, ob ich mit meiner Seilbahnliebe nicht jemandem in die Quere komme: Wie, wenn nicht mit heißem Begehren für die stählernen Aufstiegsanlagen, ließe sich sonst erklären, dass privaten Unternehmern (einer davon immerhin das Athesia-Imperium) von der Politik derart freigiebig unter die Arme gegriffen wird? Wie sehr muss man von loderndem Verlangen ergriffen sein, um mal eben 11,3 (Tiers) oder 9,4 (Schnals) Millionen an Steuergeldern für sie lockerzumachen – und dann gilt nicht mal das verflixte Abo? Glaubte man nicht an emotionale Gründe, man müsste Unschönes vermuten; wie jüngst der Corriere dell Sera, der im Fall Tiers eine Parallele zum „clientelismo meridionale“ in den Raum stellte. Dann doch lieber ein hoffentlich therapierbarer Fall von Objektophilie.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin