Zum Hauptinhalt
Die gute Sache
Anton Rainer | 1. Feb 2023 | ff 05/2023

Die neue „stille Hilfe“: Zwanzig Jahre ist es her, dass die „Stille Hilfe für Südtirol“ beerdigt wurde. Der Verein, einst gegründet, um bitterarme Bergbauern mit bayerischen Spendengeldern zu füttern, war den meisten im Lande da schon ziemlich peinlich geworden. Weil der Gründer Millionen veruntreut hatte, das war das eine. Vor allem aber ruinierte die „Stille Hilfe“ unseren guten Ruf als reiches Land: Südtirol kann doch wohl selbst für seine Bauern sorgen, oschpele! Manche Wohltaten sind selbst uns unangenehm.

Nun, seit Ende Januar bin ich mir da nicht mehr so sicher. In Kitzbühel, zwischen Germknödeln und Champagnerduschen, hat die „Stille Hilfe“ offenbar überlebt – und zwar in ihrer lautesten Form. Beim „Kitz Charity Race“ rauschen alljährlich Ski-Rentner, Schlagersänger und andere Punschkrapfen über die Streif, um Gelder für „notleidende Tiroler Bergbauern“ zu sammeln. 200.000 Euro waren es in diesem Jahr und sie wurden verdammt hart erwedelt.

Etwa vom armen Andreas Gabalier, der nach der Weißwurstparty zwar einen kräftigen Kater hatte, im Ziel aber trotzdem ein tapferes „Hodiodiodiodieh“ krächzte. Auch Influencer Khaby Lame, der sonst für Luxus-Anzüge wirbt und angeblich 700.000 Euro pro Filmchen kassiert, musste für die Bergbauern zu Tal rutschen. Und Nathalie Benko, die mit Unterstützung ihres notleidenden Mannes noch eine weitere, bestimmt sehr anstrengende Charity-Stiftung betreibt. Sie alle kämpfen für die gute Sache.

Ob die Bergbauernfamilien wohl wissen, unter welchen Strapazen ihr Überleben gesichert wird? Sind sie dankbar genug, für den Tropfen, der aus den Sektflöten der leidenden Snowciety auf sie herunterregnet? Ich hoffe es – und unterstütze jeden Sonderfonds, der diese Promi-Folter endgültig beendet. Wäre ja sonst peinlich.

Anton Rainer | Redakteur im Ressort Wirtschaft beim Spiegel in Hamburg