Zum Hauptinhalt
Leserbriefe
21. Jan 2026 | ff 04/2026

Große Errungenschaft

Das Pflegegeld und ein sozialpolitischer Skandal

Vor 20 Jahren wurde – einmalig für Italien – mit einem eigenen Landesgesetz zur Pflegesicherung die Auszahlung eines Pflegegeldes, gestaffelt nach vier Pflegestufen, beschlossen. Es war eine der großen Errungenschaften in der Sozialpolitik Südtirols. Derzeit beziehen circa 15.000 pflegebedürftige Personen, die daheim betreut und begleitet werden, das Pflegegeld. Nur, und damit komme ich zum sozialpolitischen Skandal: Die vor 20 Jahren festgelegten Beträge, mit Ausnahme jenem der ersten Pflegestufe – weil auf Staatsebene so vorgesehen –, wurden seither nie erhöht beziehungsweise der Inflation oder den gestiegenen Kosten angepasst. Sehr wohl erhöht wurden durch die Landesregierung die zu zahlenden Tarife etwa für die Inanspruchnahme der Hauspflegedienste oder der Tagespflegeheime. Die daheim lebenden, von Pflegebedürftigkeit betroffenen Menschen und deren Angehörige haben offensichtlich keine Lobby, weder in den Parteien und Gewerkschaften noch in den Seniorenbeiräten oder Sozialverbänden. Sie können auch nicht, wie etwa die Lehrpersonen, „nicht notwendige oder nicht dringend vorgeschriebene Dienstleistungen“ aufkündigen, um Druck auf die Politik zu machen. Aber es wird wohl auch ohne Druckmittel von außen allen sozial fühlenden Menschen, die Politik inbegriffen, einleuchten, dass hier dringend, und zwar ordentlich, nachgebessert werden muss

Josef Gasteiger, Sterzing

Schlagzeilen

Der Umgang der Medien mit Todesfällen im Vinschgau

Den oberen Vinschgau hat es in letzter Zeit hart getroffen. Nach zwei tragischen Unglücken sticht aber vor allem eines hervor: die Dreistigkeit der Medien. Es werden von Stol, Suedtirolnews und der Dolomiten detaillierte und private Informationen veröffentlicht, die in Zeitungen und sozialen Medien keinen Platz finden sollten. Was möchtet ihr mit Fotos von Särgen bei Beerdigungen bezwecken? Was mit provokanten Schlagzeilen? Glaubt ihr nicht, dass die betroffenen Familien nicht schon genug Leid und lebenslange Trauer mit sich tragen müssen?

Tabea Telser, Reschen

„Mund verboten“

Über die Bezirksjahresversammlung des Bauernbundes im Unterland

Die diesjährige Bezirksjahresversammlung des Bauernbundes fand am 9. Januar in Neumarkt statt. Bei der Diskussion erteilten mir weder Bezirksobmann Reini Dissertori noch Bezirksleiter Alex Golser das Wort – trotz mehrmaliger Aufforderungen meinerseits. Zwei ältere Damen durften ihre Fragen stellen, eine von ihnen sagte sofort: „Ich hoffe, keinen Blödsinn zu verzapfen.“

Ich verweise auf das Recht jedes Mitglieds, bei Diskussionen und Allfälligem sich zu Wort melden zu dürfen. Zutiefst getroffen hat mich auch die Aussage des Bezirksobmanns über mich, „er begrüße alle Anwesenden, einer davon ist als Maschgra verkleidet“. Er hat dies vor allen Rednern und Ehrengästen gesagt. Ich bin im Kimono erschienen.

Dies vorausgeschickt, verlange ich als langjähriges Mitglied des SBB eine schriftliche Entschuldigung seitens des Obmanns Dissertori. Abgesehen davon, dass mir der Mund „verboten“ wurde, will ich auch eine Entschuldigung von ihm für die Entgleisung, mich als Karnevalist zu bezeichnen. Außerdem möchte ich ihm nahelegen zurückzutreten. Er ist als Bezirksobmann rhetorisch, technisch und politisch zu schwach. Sou schaug’s aus!

Egon „Hofrat“ Giovanelli, Auer

Die Welt des Krieges.

Auszug aus dem Buch von Astrid Kofler in ff 3/26: Von Rückkehr, Flucht und Suche nach Heimat

Wie ist es möglich, dass im Auszug aus dem Buch von Astrid Kofler, in dem die Lebensgeschichte von Anna Degasperi Gius erzählt wird, mit keinem Wort auf die slowenische Bevölkerung eingegangen wird, die vertrieben wurde, um für die Südtiroler Umsiedlerinnen und Umsiedler Platz zu machen?

Claus Gatterer, der so oft zitierte „Vater der Südtiroler Geschichtsschreibung“, hat immer betont, dass die Geschichte nur dann verstanden werden kann, wenn auch die Perspektive der „anderen“ mitbedacht wird. „Mettersi nei panni altrui“ – diese Formulierung nahm Claus Gatterer ernst. Leider tun sich die Menschen in Südtirol immer noch sehr schwer damit.

Dabei geht es mir nicht um eine Kritik an den Zeitzeugen, deren Erfahrungen, Traumata und Verarbeitungsweisen respektiert werden müssen. Aber dass jene, die diese Erinnerungen publizieren, dafür keine Zeile übrig haben, auf jede Kontextualisierung und jeden kritischen Kommentar verzichten, das zeigt, wie sehr wir noch in unserem beschränkten Selbstverständnis als die ewigen Opfer gefangen sind. Die ff will da offensichtlich keine Ausnahme machen.

Martha Verdorfer, Bozen

Ein-Spruch

—
„Es wird wohl allen sozial fühlenden Menschen, die Politik inbegriffen, einleuchten, dass beim Pflegegeld dringend nachgebessert werden muss.“
Josef Gasteiger, Sterzing