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Der Überdruss am Wohlstand: Zurück, zurück
22. Jan 2025 | ff 04/2025

Heute haben wir alles, es wird Zeit, dass wir einiges wieder loswerden. Südtirol hat 393 Ski-Lifte und -Bahnen, verteilt auf 47 Skigebiete. Das Land, ein einziger Zirkus. Am schönsten ist es aber in Rein in Taufers. Das hat zwei Lifte. Seit über 50 Jahren schon. Dorthin möchte uns Hans Berger (Skilehrer, bevor er in die Politik ging) zurückhaben. In Rein ist man allein, und samstags gratis, „egal ob Südtiroler oder Urlauber“. So hat es Hausherr Berger versprochen, letzten Freitag in der Zeitung.

Der Berger hat damit nichts erfunden, er liegt im Trend. Der Mensch muss offenbar erst einmal hinter sich lassen, was er hatte. Erst dann versteht er es zu schätzen. Wie es uns doch gut ging, als es uns schlechter ging! Es ist die Einsicht von uns Wohlstandsüberdrüsslern. Und nicht, dass uns dieses Lichtlein erst am Lift von Rein aufging und uns seither die Sella-Ronda verschmähen lässt. Es ist in allem so.

Kürzlich hat in derselben Zeitung der Sportchef auf Seite 1 aufgerufen: „Zurück zu den Wurzeln!“ Was er uns damit sagen wollte: Unsere Fußballer sollten doch wieder mehr auf der Straße spielen, das Dorf beleben. Man bedenke: Da bezahlt und baut das Land Fußballplätze bis hinaus ins letzte Dorf. Und nachdem jedes Dorf seinen Sportpark hat, folgt der halbamtliche Aufruf: weg aus diesen sterilen, kunstrasenbelegten, flutlichtverseuchten, hochsicherheitsgefängnismäßig umzäunten, kurzum: menschenfeindlichen Sportzonen! Freiheit für den Fußball! Zurück auf den Kirchplatz!

Und geht es etwa den Kultur- und Vereinshäusern anders? Wie die Vereine sie doch herbeigebettelt haben. Das Dorfleben würde versiegen, ohne. Die Menschen nicht mehr „zusammenkommen“, ohne. Und das Land baute. Baute pharaonische Dorftempel. Und die Vereinsfunktionäre? Halten ihre „Sitzingen“ neuerdings wieder lieber im Gasthaus ab. Sei gemütlicher. Und anschließend müsse man ohnehin dorthin.

Übrigens: Eine Weinverkostung, die heute eine sein will, lädt in die Straße. Das Vereinshaus tut stopselen.

von Florian Kronbichler

Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff