Internationale Schule: Die Debatte um eine internationale Schule in englischer Sprache für Südtirol ruft bei mir die gleiche allergische Reaktion hervor wie Debatten um Klimawandel, Impfungen oder das Ethikverständnis der SVP. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass es da herzlich wenig zu diskutieren gibt.
Nicht falsch verstehen. Sprachen sind toll, viele Sprachen sind viel toller, und es ist durchaus nachvollziehbar, dass sich der Unternehmerverband für Internationalität stark macht, geht man dort doch von einem idealisierten Bild aus, wie die Fachkraft von morgen gestrickt sein muss.
Aber: In sämtlichen Schulstufen herrscht Mangel an qualifiziertem Personal. Zwischen Italienisch und Deutsch besteht immer noch eine gesellschaftliche Kluft, wohlklingende Projekte wie das zu Recht infrage gestellte CLIL erweisen sich oft als wenig zielführend, der Uni Bozen hilft ihre Dreisprachigkeit nicht – im Gegenteil. Und in den Schulklassen sitzen immer mehr Nicht-Muttersprachler, für die jede unserer Landessprachen eine Herausforderung ist – die Einführung eines internationalen Klassenzugs in englischer Sprache allerdings ein Segen.
Wir sind also auf dem Holzweg, on the woodway, um es international auszudrücken.
Wenn es also heißt, eine internationale Schule sollte, wenn schon, für alle sein, müssen wir uns auch im Klaren darüber sein, dass Anna und Noah im Fach Englisch (und später bei der Jobsuche) deutlich hinter Lyudmyla und Mohammed nachhinken werden.
Nicht zuletzt drängt sich die Frage nach der Finanzierung auf. Selbst an Südtirols Kindergärten, an denen Mehrsprachigkeit am ehesten Erfolg hat, sind qualifizierte Fachkräfte rar. Hat es vielleicht damit zu tun – Tatsache –, dass der Mechaniker, dem ich meinen Hausfrauen-SUV anvertraue, 90 Euro pro Stunde verlangt und die pädagogische Erzieherin meines Sohnes mit 9 Euro abgespeist wird?
von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses