Georg Lezuo, Bozen:Vor beinahe vier Jahren ereignete sich in Bayern ein Zusammenstoß zweier Züge, der elf Menschenleben forderte; ein Bahnhofsvorstand war dabei, ein Spiel auf sein Smartphone zu laden, und ließ auf der eingleisigen Bahnstrecke einen Zug ab, bevor der Gegenzug eingefahren war. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich mich in Bayern auf und spürte die Wucht, mit der dieses Unglück die Gesellschaft erfasste, genauso wie die Solidarität zahlreicher Menschen mit den Hinterbliebenen.
Was auffiel: Der Name des Verantwortlichen wie auch dessen Aufenthaltsort wurde erst viel später der Öffentlichkeit preisgegeben, die Gesellschaft war in Gedanken weitaus mehr bei den Opfern als bei dem Verursacher der Katastrophe. Im Fall von Luttach sollen nicht wenige Leute ihrer Aggressivität gegenüber dem Unglücksfahrer freien Lauf gelassen haben. Wem hilft man damit? Das Verurteilen überlassen wir lieber dem Gericht und jener überirdischen Macht, an die viele unserer Landsleute glauben und die absolute Gerechtigkeit ist. Weit schwieriger ist es, zur Linderung der Trauer, des Schmerzes der Hinterbliebenen beizutragen, da man dabei den Finger in offene Wunden legt. Nach der Beerdigung einer Person aus meinem Angehörigenkreis erklärte mir ein Priester, dass jene, die uns vorausgehen, uns im Leben näher stehen als vorher. Mir hat dies geholfen, möglicherweise könnte das auch jenen helfen, denen unerwartet ein lieber Mensch entrissen worden ist.
