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Politische Bildung
Herrscht in Südtirol eine Pentarchie?
ff media | 17. Jan 2024 | ff 03/2024

Der Begriff Pentarchie dürfte nur den Politikwissenschaftlern geläufig sein. Im Prinzip handelt es sich um ein politisches System mit fünf Akteuren. Es geht um Ausgleich von Herrschenden und soll zur Erhaltung des Friedens und einer positiven Entwicklung dienen. Das gibt es schon seit den antiken Griechen und hat letzthin Europa einen jahrzehntelangen Frieden beschert. Es funktioniert allerdings nur gut, wenn bei den fünf Akteuren die grundlegend verschiedenen Interessen der Bevölkerung vertreten sind und ein Akteur die Aufgabe der Balance oder der Ausge-glichenheit übernimmt. Also auch stark genug ist, um die verschiedenen Interessen auszu-balancieren und somit das System funktionsfähig zu halten. Man könnte hier auch den Begriff der Multi-polarität verwenden. Die neue Landesverwaltung wird ebenfalls von fünf Akteuren gestellt werden, die aber alle ideologisch am rechten, bis hin zum ultrarechten Rand, angesiedelt sind. Also besteht ein grundsätzliches Ungleichgewicht, welches die -Struktur der regierten Südtiroler Bevölkerung auf keinen Fall widerspiegelt. In diesem Fall könnte man, anstatt von Multipolarität von politischer Unipolarität sprechen. Es ist nur der rechte Rand im System vertreten. Gerade der Teil, welcher bereits in den letzten Legislaturen durch permanente Lobbyarbeit den Grundsatz der Symmetrie, oder anders gesagt der -Ausgeglichenheit, verletzt hat. Die Hauptperson der balancierenden Gruppe, sprich der angehende Landes-hauptmann, hat diese Un-Symmetrie erkannt, positioniert sich in seinen Stellungnahmen in der Mitte und versucht, das Gleichgewicht ein wenig in die Mitte zu verschieben. Ob dieses mündliche Bekenntnis ausreichen wird, um die gesamte zukünftige Landesregierung so zu gestalten, dass die gesamte Bevölkerung Südtirols zufriedengestellt wird, ist eine gewagte Hypothese. Die zukünftige Landesregierung wird an den Taten gemessen werden und nicht an den Worten. Dass das ganze System bereits unter Spannung steht, ist bereits jetzt, im Vorfeld zu erkennen. Wir haben es also hier mit einem von fünf Gruppierungen, die am rechten Rand der Gesellschaft angesiedelt sind, zusammengestellten unipolaren politischen System zu tun. Die Geschichte hat gezeigt, dass das nicht funktioniert. Kommt es zu dieser Konstellation, werden die bisher bevorzugten Lobbys weiter ihre -Wünsche durchsetzen und die Spaltung der Gesellschaft weiter -voranbringen. Wollen wir das?

Erwin Mayr, Toblach