Die Südtiroler Volkspartei war in vergangenen Jahr-zehnten die Monopolpartei, die ideologische Standpunkte vorgab, Kritiker und -Gegner über die Monopolpresse fertig machte, bestimmte, wie Kultur zu sein hatte.Südtirol war ein De--facto-Einparteienstaat. Auch heute noch gebärdet sich die bislang stärkste Kraft im Südtiroler Landtag so, als verfügte sie über die absolute Mehrheit.
Dass sich diese Partei bei den Koalitionsver-handlungen nach rechts gewandt hat und sich auf eine wahrscheinliche Zusammenarbeit mit Post-faschisten, ideologischen Urenkeln des Duce, einlässt, dessen Schwarzhemden einst Südtirol als Ethnie, als Sprache und Kultur -ersticken wollten, kann mehr als befremden.
Dass die SVP – wie auch andere bürgerlich-konservative Kräfte in europäischen Ländern und die EVP im EU-Parlament – sich nicht von Rechtsaußen abzugrenzen weiß, dürfte nicht überraschen, wenn man die Geschichte des politischen Verbandes und unseres Landes kennt: Es gab eine permanente Politik des -Verständnisses gegenüber -ehemaligen Kolaborateuren des Nazi-Regimes, für Schule und Kultur war jemand zuständig, der das Nazi--Gymnasium in -Rouffach – bewusst sei hier die elsässische Schreibung des Toponyms verwendet – im besetzten Elsass besucht hatte und den Geist von Rouffach in der Südtiroler Politik umsetzte, etwa im Sinne einer konsequenten Trennung der Sprachgruppen. Das Verhältnis zu diesem politischen Lager hat in diesen Reihen Tradition.
Georg Lezuo, Bozen